Babynamen
Ihr liebt den Namen, aber nicht seine Bedeutung: Solltet ihr ihn trotzdem wählen?
Eine unliebsame Bedeutung muss euren Wunschnamen nicht ausschließen. Trennt seine Herkunft von eurer persönlichen Verbindung und findet heraus, welcher Einwand wirklich zählt.
Ihr seht den Namen schon auf einer Geburtstagskarte vor euch. Dann stoßt ihr auf eine Bedeutung, die freudlos wirkt, euch unangenehm ist oder gar nicht zu dem passt, was ihr an ihm mögt. Ihr müsst ihn deshalb nicht sofort streichen. Klärt zuerst, was diese Erklärung tatsächlich aussagt und was genau euch daran stört.
Die Bedeutung darf ausschlaggebend sein, ein schönes Extra oder ziemlich unwichtig. Für keine dieser Prioritäten müsst ihr euch rechtfertigen. Entscheidend ist, ob ihr den Namen mit seiner Geschichte ehrlich und mit einem guten Gefühl wählen könnt.
Drei verschiedene Dinge heißen „Bedeutung“
Die sprachliche Herkunft beschreibt, wie ein Name entstanden ist: aus welchen älteren Formen, Sprachen und Wortbestandteilen. Eine kurze Bedeutungsangabe fasst diese Geschichte in wenigen Wörtern zusammen. Das kann hilfreich sein, lässt aber womöglich eine Zwischenform oder eine unsichere Deutung weg. Jemanden mit einem Namen anzusprechen ist etwas anderes, als diese Person mit den zugrunde liegenden Wörtern zu beschreiben.
Die persönliche Bedeutung ist euer Grund für die Wahl: vielleicht ein geliebter Mensch, ein Ort aus eurer gemeinsamen Geschichte oder ein Klang, der euch nicht loslässt. Diese Verbindung kann viel bedeuten, ohne die Wortherkunft zu verändern. „Für uns erinnert der Name an einen Neuanfang“ beschreibt eure Familiengeschichte. „Der Name bedeutet wörtlich Neuanfang“ wäre eine andere Aussage.
Was tun bei widersprüchlichen Deutungen?
Maria zeigt das Problem: Der Name ist eine griechische und lateinische Form des hebräischen Mirjam/Marjam, dessen ursprüngliche Bedeutung ungeklärt ist. „Bitternis“ und „die Geliebte“ gehören zu den Deutungsansätzen, nicht zu austauschbaren, gesicherten Übersetzungen.
Steht bei einer Erklärung „möglicherweise“, solltet ihr diesen Vorbehalt auch beim Erzählen beibehalten. Prüft, ob unterschiedliche Erklärungen dieselbe Schreibweise und Sprache betreffen und ob es um eine Wortherkunft, eine spätere Verbindung oder eine Vermutung geht. „Nicht sicher geklärt“ ist eine zulässige Antwort. Die schönste Erklärung auszuwählen beseitigt die Unsicherheit nicht.
Fragt euch, ob ihr den Namen auch mögen würdet, wenn seine Bedeutung unbekannt bliebe. Falls ja, braucht ihr für eure Wahl vielleicht keine Gewissheit. Ist dagegen eine bestimmte Bedeutung unverzichtbar, bleibt der Name vorläufig auf der Liste, bis diese Deutung gut belegt ist.
Was genau stört euch?
Hinter „Er hat eine schlechte Bedeutung“ können verschiedene Einwände stecken. Enttäuscht euch, dass die Erklärung alltäglich statt poetisch klingt? Passt ein religiöser Bezug nicht zu euren Überzeugungen? Oder erinnert der Name in einer Sprache, die eure Familie tatsächlich spricht, an ein unangenehmes Wort? Diesen letzten Punkt solltet ihr als heutige Assoziation betrachten, getrennt von der sprachlichen Herkunft.
Bei einer Sprachfrage könnt ihr jemanden fragen, der die betreffende Sprache und das Umfeld gut kennt: Was verbindet diese Person mit dem Namen? Gebt eure Befürchtung nicht schon als Antwort vor. Die Rückmeldung kann eure Frage klären, spricht aber nicht für alle. Konzentriert euch auf die Sprachen, mit denen euer Kind voraussichtlich lebt, statt jede denkbare Ähnlichkeit weltweit ausschließen zu wollen.
Achtet auch darauf, was ihr als negativ bezeichnet. Eine historische Beschreibung eines Körpers oder eines gesundheitlichen Zustands ist kein moralischer Makel. Ihr dürft euch mit einem Namen unwohl fühlen, ohne Menschen abzuwerten, auf die eine solche Beschreibung zutrifft.
Drei Sätze, bevor ihr den Namen streicht
Schreibt die folgenden Sätze getrennt auf. Wenn ihr gemeinsam entscheidet, füllt sie zunächst einzeln aus und vergleicht erst danach eure Antworten.
- Was ich weiß: „Zur Herkunft des Namens gehört …; unklar bleibt …“ Trennt gesicherte Angaben von Möglichkeiten.
- Was mich stört: „Ich würde mich unwohl fühlen, wenn …“ Benennt einen konkreten Einwand, statt den ganzen Namen schlecht zu nennen.
- Warum ich ihn trotzdem möchte: „Auch ohne eine schöne Bedeutung gefällt mir der Name, weil …“ Lasst den Satz offen, wenn nichts übrig bleibt.
Ein Elternteil könnte etwa schreiben: „Ich wollte einen Namen, der einen fröhlichen Wunsch ausdrückt. Dieser Teil fehlt mir jetzt.“ Der andere: „Ich habe ihn gewählt, weil er mich an meine Tante erinnert.“ Beide wünschen sich etwas anderes von dem Namen. Dieselbe Definition zu wiederholen löst das nicht. Sie können einen anderen Namen suchen, der die familiäre Verbindung bewahrt, oder entscheiden, dass eine positive wörtliche Bedeutung für sie keine gemeinsame Voraussetzung ist.
Behaltet den Namen, wenn ihr seine Herkunft akzeptieren könnt und eure Gründe weiterhin tragen. Legt die Entscheidung beiseite, wenn eine konkrete Sprachfrage offen ist. Streicht ihn, wenn euch die Verbindung auch nach der Klärung stört. Ein anderer Zweitname kommt infrage, wenn euch die Kombination gefällt; er hebt den Einwand gegen den ersten Namen nicht auf.
Eine ehrliche Geschichte für euer Kind
Probiert diesen Satz: „Wir haben deinen Namen nicht wegen seiner alten Bedeutung ausgesucht. Wir mochten seinen Klang, und er hat uns an einen lieben Menschen erinnert.“ Bei einer unsicheren Herkunft könnt ihr sagen, dass es mehrere Erklärungen gibt. Ihr müsst daraus keine verborgene, besonders schöne Bedeutung machen.
Lasst eurem Kind Raum für eine andere Sicht. Ein Name ist kein Auftrag, mutig, sanft oder fröhlich zu sein, ganz gleich, woher er stammt. Was ihr weitergeben könnt, ist euer eigener Grund für die Wahl, ohne zu verlangen, dass euer Kind ihm gerecht wird.